Nebenattribute für Lageplanelemente

Mit Version 8 wurden u.a. für Lageplanelemente Nebenattribute eingeführt. Was zunächst als relativ abstrakte Möglichkeit begann, wird nun immer mehr mit Leben erfüllt, da immer mehr Funktionsgruppen diese Nebenattribute nutzen. So können sie mittlerweile nicht nur direkt in der Bearbeitung der jeweiligen Lageplanelemente (Punkte, Linien, …) eingegeben werden, sondern auch Schnittstellen wie z.B. Shape-Import importieren Nebenattribute. Die Anzeigefunktionen zeigen sie wahlweise in Dialogmasken und im Protokollfenster an, und über „Lageplanzeichnung erzeugen“ können sie sichtbar gemacht und über die DXF-Ausgabe exportiert werden. Individuelle und angebotene Card-Skripte sorgen zudem für spezielle Eintragungen und Auswertungen.

Am Beispiel eines Nebenattributs „Sohlhöhe für Punkte“ soll im folgenden erklärt werden, wie die konkrete Nutzung aussehen kann.

Lageplan-Punkte repräsentieren punktförmige Objekte der Realität. In vielen Fällen reicht es aus, diese Objekte als Punkt mit den üblichen Eigenschaften wie Nummer, Rechtswert, Hochwert, Höhe, Kode zu verwalten. Auch vermessungstechnische Eigenschaften wie Vermarkungsart und Vermarkungstiefe können direkt an jedem Punkt verwaltet werden. Die Eigenschaft „Sohlhöhe“ dagegen ist nicht standardmäßig bei jedem Punkt vorhanden, da sie vornehmlich bei Schächten Verwendung findet. Alle anderen Punkte benötigen diese Eigenschaft nicht. Wenn die Sohlhöhe am Punkt verwaltet werden soll, stellt sich zunächst die Frage, welche Möglichkeit dazu genutzt wird. 3 Varianten sollen hier verglichen werden:

 

Variante A: Punktbemerkung

Die einfachste und schon immer vorhandene Möglichkeit besteht darin, die Punktbemerkung zur Speicherung der Sohlhöhe zu verwenden. Diese ist bei jedem Punkt vorhanden und es können 12 Zeichen frei verwendet werden. Dies zeigt bereits die erste Begrenzung, die Information muss auf 12 Zeichen beschränkt sein. Das würde für die Sohlhöhe noch ausreichen, aber ungünstig ist, dass diese Punkteigenschaft damit ausgeschöpft wäre und keine weiteren Bemerkungen mehr vergeben werden könnten. Weiterhin lässt sich die Vereinbarung, dass die Punktbemerkung für Sohlhöhen reserviert ist, nicht im Programm definieren, sondern es muss dem Anwender bekannt sein, dass es sich bei dem Wert in der Bemerkung um die Sohlhöhe und nicht etwa z.B. um die HN-Höhe zur NN-Höhe handelt.

 

Variante B: Nebenattribut

Bei der Verwendung eines Nebenattributs kann „Sohlhöhe“ als Attributstyp definiert werden. Damit ist beim Eingeben und beim Anzeigen klar, dass es sich um die Sohlhöhe und nichts anderes handelt. Außerdem kann festgelegt werden, dass es sich um eine Zahlenattribut handelt. Die Eingabe folgt einem gewissen Schema, so dass Fehleingaben minimiert werden können. Da zu jedem Lageplanelement beliebig viele Nebenattribute definiert werden können, gibt es keinerlei Konflikte, wenn an den gleichen oder anderen Punkten weitere Eigenschaften verwaltet werden sollen.

 

Variante C: Datenbank/Excel-Tabelle

Die Sohlhöhe und andere Eigenschaften zu Punkten können auch in einer beliebigen Datenbank oder Excel-Tabelle gespeichert werden. Wenn es allein um die Sohlhöhe geht, ist das aufwendiger als mit Nebenattributen. Lohnen würde sich dieser Aufwand, wenn noch weitere Eigenschaften wie z.B. Materialart und Gebietszugehörigkeit verwaltet werden sollten und wenn es unter diesen Eigenschaften auch noch Beziehungen gibt (z.B. alle zulässigen Materialarten stehen in einer Material-Tabelle). Die Verwendung einer Datenbank oder Excel-Tabelle wäre auch dann sinnvoll, wenn die Daten nicht nur innerhalb von CARD/1, sondern auch außerhalb, z.B. in Listenauswertungen über Abfragen und Berichte oder in Serienbriefen genutzt werden.
Wenn es nur um die Verwaltung der Sohlhöhen geht, ist die Variante B – Nebenattribut eine gute Wahl. Ein Weg der konkreten Nutzung wäre:

 

1. Nebenattributsvereinbarung

Über das Menü „Einstellungen“ gelangen Sie zur Verwaltung der Nebenattributsdefinitionen. Dort vereinbaren Sie einen Attributstyp:

Abb.1: "Nebenattributsvereinbarung"

Abb.1: „Nebenattributsvereinbarung“

 

Die F1-Hilfe erläutert die Bedeutung der einzelnen Felder und Schalter.

 

2. Eingabe der Werte am Punkt

Nachdem der Attributstyp „Sohlhöhe“ vereinbart wurde, wird er bei der Eingabe zum Ausfüllen angeboten. Wählen Sie dazu „Punkte bearbeiten Nebenattribute“ und tippen den gewünschten Punkt an.

Abb.2: "Nebenattributseingabe"

Abb.2: „Nebenattributseingabe“

 

3. Einlesen der Werte zu den Punkten

Neben der Eingabe der Sohlhöhe am Punkt könnte auch der Fall eintreten, dass dieser Wert vom Messgerät oder aus einer Datei für viele Punkte eingelesen werden soll. Auch diese Möglichkeit besteht für Nebenattribute. Da aber der Einlesedatenstrom und das Nebenattribut variabel sind, gibt es dafür kein festgelegtes Programm, sondern mit der Makrosprache CardScript kann hier die jeweils passende Einleseroutine geschaffen werden.

 

4. Anzeige

Während der Arbeit soll es möglich sein, jederzeit den Wert des Nebenattributs anzeigen zu lassen. Dies ist in der allgemeinen Zeigen-Funktion integriert. Der Punkte-Anzeigedialog enthält in der erweiterten Form die Befehlsschaltfläche „Nebenattribute“, mit der sich alle Nebenattribute zum aktuellen Punkt anzeigen lassen:

Abb.3: "Nebenattributsanzeige in Dialogmasken"

Abb.3: „Nebenattributsanzeige in Dialogmasken“

Noch schneller ist die Anzeige im Protokoll, da diese sofort beim Klick auf den jeweiligen Punkt zu sehen ist. Dort werden, um die Übersichtlichkeit zu wahren, nicht alle Nebenattribute angezeigt, sondern nur die, zu denen „Protokollausgabe“ vereinbart wurde:

Abb.4: "Nebenattributsanzeige Protokoll"

Abb.4: „Nebenattributsanzeige Protokoll“

 

5. Auswertung in einer Zeichnung

Mit dem Befehl OBJEKTATTR lassen sich die Attribute z.B. eines Punktes als Text in eine Zeichnung generieren. Dazu wird ein zusätzliches Zeichnungsobjekt benötigt, in dem die Texte als Textvariable angelegt sind. Hier wurde ein kleines Objekt „Punktbeschriftung“ mit 2 Textvariablen angelegt, weil die entsprechenden Punkte mit ihrer CARD/1-Höhe, welche die Deckelhöhe ist, und der Sohlhöhe aus dem Nebenattribut beschriftet werden sollen:

Abb.5: "Zeichnungsobjekt Punktbeschriftung"

Abb.5: „Zeichnungsobjekt Punktbeschriftung“

In der Vereinbarung zur Zeichnungserzeugung wird dann auf dieses Objekt und die darin befindlichen Textvariablen zurückgegriffen:

* Punkt als Punkt zeichnen
PSYMBOL 401;401;1
* Definition der Verweisvariablen
OBJEKTATTR "Deckelhöhe"; "$HOEHE"; "#.###";| Punkthöhe als Deckelhöhe
OBJEKTATTR "Sohlhöhe"; "Sohlhöhe";         | Nebenattribut "Sohlhöhe" als Sohlhöhe
* Beschriftungsobjekt an Punkte schreiben
POBJEKT 401; 401; "Punktbeschriftung(Punktbeschriftung.PLT)"

In der damit erzeugten Zeichnung sind die tatsächlichen Deckel- und Sohlhöhen neben den entsprechenden Punkten angetragen. Hier wurde die Zeichnung als Lageplan-Hintergrund dargestellt:

Abb.6: "Zeichnung als Lageplanhintergrund"

Abb.6: „Zeichnung als Lageplanhintergrund“

 

6. Nutzung für hydraulische Berechnungen

Speziell bei der Eigenschaft „Sohlhöhe“ liegt der Wunsch nahe, diese auch für die hydraulische Berechnung zu nutzen. Diese Berechnung stützt sich auf die FLI-Datei. Entsprechend muss ein Card-Skript genutzt werden, um die Daten aus dem Nebenattribut in die FLI-Datei zu überführen.

 

7. DXF/DWG-Ausgabe

Wenn eine Zeichnung wie beschrieben mit Objektattributen ausgestattet ist, können diese zum einen als Text, aber auch als DXF-Attribute ausgegeben werden. Damit ist es auch möglich, Nebenattribute in vorgegebene DXF-Ausgabestrukturen zu integrieren.

 

8. Nutzung der Filterfunktion bei der Zeichnungserzeugung

Mit Version 8.303 wurde in der Funktionsgruppe „Lageplanzeichnung erstellen“ ein neuer Schalter FILTER eingeführt. Die Filtermöglichkeit nach Nebenattributen erweitert die Zeichnungserzeugung enorm und durchbricht die bisherige alleinige Abhängigkeit der Ausgestaltung von der Kodierung.

Die neue Möglichkeit soll in einer Erweiterung des Beispiels verdeutlicht werden. Zusätzlich zur Sohlhöhe sollen die Punkte ein Nebenattribut „Entwässerungsverfahren“ erhalten:

Abb.7: Nebenattribut „Entwässerungsverfahren“

Abb.7: Nebenattribut „Entwässerungsverfahren“

Die Zeichnungsvereinbarung für die Lageplanzeichnung wird um differenzierte Befehle zum Zeichnen der Schächte erweitert:

* Punkt als Schacht zeichnen
PSYMBOL 401;401;1117;FILTER:"[Entwässerungsverfahren] == RW";STIFT:27;FAKTOR:0,5
PSYMBOL 401;401;1117;FILTER:"[Entwässerungsverfahren] == SW";STIFT:22;FAKTOR:0,5

Die Punkte mit Kode 401 werden nun nicht mehr alle gleich dargestellt, sondern in Abhängigkeit vom Eintrag im Nebenattribut „Entwässerungsverfahren“ wird hier Stift 22 oder Stift 27 verwendet. Daraus ergeben sich verschieden farbige Darstellung der Schächte:

Abb.8: "Symbolgestaltung über Filter"

Abb.8: „Symbolgestaltung über Filter“

Der Schalter „FILTER“ steht bei vielen Befehlen zur Zeichnungserstellung zur Verfügung, so dass eine differenzierte Darstellung u.a. auch für Linien, Flächen und Texte erreicht werden kann.

   


Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen