Auswirkungen der ALKIS – Einführung auf die Grunderwerbsbearbeitung

Nach einigen Verzögerungen ist es nun so weit, dass die Vermessungsverwaltungen der Bundesländer ALKIS einführen. Dies hat Auswirkungen auf die Grunderwerbsbearbeitung. Diese werden hier ohne Anspruch auf Vollständigkeit benannt.

 

Vorteil oder Nachteil?

Eine Modernisierung der Datenhaltung und des Datenaustauschs sollte für alle ein Vorteil sein. Tatsächlich überwiegen aus unserer Sicht die Vorteile, aber vor allem in der Umstellungsphase müssen auch Nachteile in Kauf genommen werden.

Der Hauptvorteil liegt in der bei den Ämtern eingeführten gemeinsamen Datenhaltung von ALB und ALK. Damit entfällt für den Grunderwerbsbearbeiter die mitunter mühsame und fehleranfällige Aufgabe, die geometrischen Daten (Flurstücke) mit den Buchdaten (Grundbücher, Eigentümer) zu verknüpfen. Ein weiterer Vorteil liegt in der zumindest theoretisch einheitlichen Datenhaltung in allen Bundesländern, so dass nicht verschiedene Werkzeuge und Qualitätsstandards je nach Bundesland verwendet werden müssen. Weiterhin hat jedes Objekt eine eindeutige Kennung – die AAA-ID – so dass vom Prinzip her Verwechslungen und Doppelungen bei der Identifizierung der Daten nicht auftreten können. Ein zusätzliches Kennzeichen zur Aktualität stellt zudem sicher, dass keine jüngeren Daten von älteren überschrieben werden.

Ein Nachteil ergibt sich daraus, dass die Definition der Nutzungsartflächen so verändert wurde, dass sie nicht mehr mit OKSTRA kompatibel ist. Weitere Nachteile haben ihre Ursache in der Umstellung, so dass damit zu rechnen ist, dass sie sich im Laufe der Zeit verringern.

 

Ausgangsdaten

Während bisher mehrere Datenquellen angezapft werden mussten, z.B. EDBS-Daten für ALK  und WLDGE-Daten für ALB, sind alle benötigten Daten nun in einem Datenpaket im NAS-Format enthalten. Während es sich bei den Flurstücken bezüglich Nummer und Geometrie um allgemein zugängliche Daten handelt, unterliegen die personenbezogenen Buchdaten der Geheimhaltung. Entsprechend gibt es trotz einheitlichem Datenformat die ALKIS-Daten in unterschiedlicher Ausprägung. Bei der Grunderwerbsbearbeitung ist darauf zu achten, dass man die vollständigen Daten erhält, da auch Eigentümer und Grundbücher benötigt werden und damit ein berechtigtes Interesse an diesen Daten vorliegt.

 

Datenimport

Für das von der AdV neu festgelegte AAA-Format (http://www.adv-online.de/AAA-Modell/) werden in den Softwaresystemen neue Schnittstellen benötigt. In CARD/1 ist das zunächst die ALKIS-Import-Schnittstelle, die die Daten in die Geometrie und in die speziell dafür geschaffenen AAA-Objekte übernimmt. Langfristig wird diese Schnittstelle die bisherigen Bausteine zum ALK-Import wie die EDBS-, DFK- und BGRUND-Schnittstelle ablösen.

Für die Grunderwerbsbearbeitung reicht es nicht aus, die Daten in den AAA-Objekten zu speichern, sondern die Buchdaten werden nach wie vor in der Grunderwerbsdatenbank benötigt. Die Aufgabe der Datenübernahme in die Grunderwerbsdatenbank übernimmt die ALB-Importschnittstelle, die dafür um die Übernahme der ALB-Daten aus den AAA-Objekten erweitert wurde.

Beim Import von ALB-Daten war es schon immer so, dass zunächst geprüft wurde, ob das entsprechende Objekt bereits vorhanden ist und wenn ja wurde es allenfalls aktualisiert, jedoch nicht doppelt eingelesen. Besonders bei Personen war das etwas problematisch, weil nicht klar war, ob es sich bei mehreren Datensätzen mit ähnlichen Einträgen um ein und die selbe Person handelt. Mit der eingeführten AAA-ID sollte dieses Problem eigentlich beseitigt sein. Derzeit ist jedoch in manchen Fällen das Gegenteil der Fall. Bei der Datenüberführung wurde keine genauere Kontrolle auf mehrfach vorkommende Personen vorgenommen. Damit ergeben sich für augenscheinlich gleiche Personen, z.B. juristische Personen wie die Straßenbauverwaltung, mehrere AAA-IDs, falls die Schreibweise z.B. der Adresse nicht gleich ist. Eine automatische Zusammenführung beim Einlesen ist damit nicht zulässig.

 

Koordinatensysteme

Zeitgleich mit der Einführung des ALKIS läuft die Umstellung der Koordinatensysteme von den bundeslandspezifischen Gauß-Krüger-Koordinatensystemen mit 3°-Streifen auf das europaweit einheitliche Koordinatenbezugsystem ETRS89 und einer UTM-Abbildung mit 6°-Streifen (http://www.adv-online.de/Geodaetische-Grundlagen/ETRS89/). Die Vergrößerung der Streifen auf 6 Längengrade führt allerdings zu einer größeren Längenverzerrung als bei den bisherigen Gauß-Krüger-Koordinatensystemen.

Während die ALKIS-Daten überwiegend nur noch im neuen ETRS89-Koordinatensystem abgegeben werden, sind die Straßenbauverwaltungen häufig weiterhin an Daten im Gauß-Krüger-Koordinatensystem interessiert. Daraus und aus dem Eigeninteresse, angefangene Projekte ohne Koordinatenverschiebung weiter zu bearbeiten, ergibt sich die Aufgabe, die Daten zu transformieren. In CARD/1 steht dafür das Modul zur Projektdatentransformation bereit. Dies berücksichtigt die länderspezifischen Transformationsalgorithmen und Gitternetze. Die Transformation kann auch direkt beim Einlesen der ALKIS-Daten vorgenommen werden, so dass in den Projekten erst gar keine Daten in verschiedenen Koordinatensystemen auftreten.

 

Nutzungsarten

Die klassische Modellierung der Nutzungsarten erfolgt über Schlüssel, z.B. 710 für Laubwald. Die einzelnen Bundesländer haben verschiedene Schlüssel verwendet und diese Schlüssel wurden an flurstücksunabhängigen Nutzungsartflächen sowie an Nutzungsartteilflächen (Teilfläche eines Flurstücks mit einheitlicher Nutzung) vergeben. In ALKIS werden keine Nutzungsartteilflächen mehr geführt und für die Nutzungsartflächen gibt es verschiedene Objekte und Eigenschaften in Abhängigkeit von der Nutzungsart. So gibt es zum Beispiel Objekte vom Typ „AX_Wald“ und diese haben eine Eigenschaft „Vegetationsmerkmal“. Der Wert 1100 steht dabei für Laubholz, so dass die Kombination „AX_Wald“ und Vegetationsmerkmal 1100 der klassischen Nutzungsartfläche mit Schlüssel 710 entspricht. Bei anderen Nutzungsartflächen können andere Objekte und andere Eigenschaften entscheiden, welche klassische Nutzungsart sich daraus ergibt. So ist es z.B. bei Unland – klassischer Schlüssel z.B. 950 – so, dass diesem die Objektart „AX_UnlandVegetationsloseFlaeche“ gegenübersteht. Die Eigenschaft „Vegetationsmerkmal“ gibt es hier nicht. Dafür gibt es aber die Eigenschaften „Funktion“ und „Oberflächenmaterial“. Je nach dem, ob diese Eigenschaften am konkreten Objekt  vergeben wurden und welche Werte sie annehmen, kann das zu unterschiedlichen Nutzungsarten führen.

Da OKSTRA die klassischen Nutzungsartschüssel verlangt, entsteht hieraus die Notwendigkeit, die ALKIS-Nutzungsarten entsprechend zu überführen. Dabei ist es von den Straßenbauverwaltungen abhängig, ob die alten Nutzungsartschlüssel beibehalten werden oder ob die detailliertere Aufgliederung im ALKIS für neue, z.B. fünfstellige Nutzungsartschlüssel verwendet werden. CARD/1 liefert dazu in den Vorlagedatenbanken für den Grunderwerb vorgefertigte Konvertierungstabellen mit. Darin sind auf der einen Seite alle per ALKIS-Definition möglichen Nutzungsartenkombinationen aufgelistet und auf der anderen Seite sind Nutzungsartschlüssel zugeordnet. Diese Schlüssel können bei Bedarf vom Anwender auf spezielle Wünsche der Auftraggeber angepasst werden.

 

Auszug_Tabelle_ALKIS_Nutzungsart

Tab.1: Auszug aus der Zuordnungstabelle der Nutzungsarten

 

Grunderwerbsbearbeitung

Bei der eigentlichen Grunderwerbsbearbeitung, dem Aufteilen der Bedarfsflächen in Erwerbsteilflächen und der Anfertigung der Grunderwerbsverzeichnisse und -pläne ergeben sich die wenigsten Änderungen, da die Daten nach dem Import ähnliche Eigenschaften haben wie bisher. Der Wegfall der Nutzungsartteilflächen erfordert, dass die Nutzungsarten der Erwerbsteilflächen nunmehr aus den flurstücksübergreifenden Nutzungsartflächen gewonnen werden. Diese Möglichkeit, ggf. gekoppelt mit einer Verschneidung, besteht in CARD/1 schon seit längerem.

 

Weitergabe der Ergebnisdaten

Das Vorhandensein des einheitlichen Datenbestandes aus Geometrie- und Buchdaten hat Auswirkungen auf den Export. Auch die Programme zur Abwicklung des Grunderwerbs wollen diese Daten in verknüpfter Form weiter nutzen. Damit entfällt die bisher teilweise angewendete Methode, lediglich das GEV ohne Grafik über interne Schnittstellen weiter zu geben. Für die verknüpfte und vollständige Datenweitergabe steht die OKSTRA-Schnittstelle bereit. Wenn man dort allein das Schema „Grunderwerb“ ausgibt, sind darin sämtliche Grunderwerbsdaten – Eigentümer, Grundbücher, Flurstücke und Erwerbsteilflächen mit Nutzungsarten – enthalten. Auch ohne die Ausgabe des Schemas „Topografie“ besitzen die Flurstücke und Erwerbsteilflächen eine vollständige Geometrie.

 

 

 


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